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Gebetsruf oder Kriegsruf? Zum islamischen Gebetsruf in der Friedensmesse in Schorndorf am 16.11.25
Johannes Frey

Gebetsruf oder Kriegsruf?
Zur Friedensmesse in Schorndorf am 16.11.25
Ein Sturm der Empörung tobt durchs Netz, der Empörung über den Vortrag des islamischen Gebetsrufes durch einen islamischen Geistlichen in einer christlichen Kirche. "Religionsvermischung", "Unterwerfung unter den Islam", "feindliche Übernahme der Kirche durch den Islam" - So und ähnlich lauten die Vorwürfe gegen das Konzert am 16. November in der Stadtkirche in Schorndorf mit den beiden Stücken des britischen Komponisten Karl Jenkins: "A Mass for Peace" und "Gloria", die beide auf Stücken des christlichen Gottesdienstes basieren.
Beim Lesen der Texte stellt sich allerdings die Frage nach der Funktion des islamischen Stückes im Ganzen der "Mass for Peace". Ich kann nicht beurteilen, was die Urheber des Stückes sich dabei gedacht haben. Im Kontext der kirchlich heute vorherrschenden Sicht auf die Religionen legt sich für die heutigen Hörer allerdings die Deutung nahe: "Alle Religionen sind gegen den Krieg".
Liest man aber den Text der Messe unvoreingenommen so, wie er dasteht, dann drängt sich noch ein anderes Verständnis auf: Mit dem exklusiven Anspruch des einen Gottes, der im "Gebetsruf" proklamiert wird, und der expliziten Abwertung aller anderen Religionen steht dieser in einer Reihe mit den Kriegstexten Nr. 1 (Über den bewaffneten Mann, der zu fürchten ist), Nr. 6, wo Gott für den Sieg in der Schlacht in Anspruch genommen wird und dem Ruf zu den Waffen unter der Nr. 7. Diese Deutung entspricht auch dem ursprünglichen Sinn dieses Textes. Der islamische Gebetsruf ist ja - historisch - nicht aus der Sehnsucht nach Frieden erwachsen, sondern aus dem Wunsch nach Abgrenzung und Abwertung gegenüber allen, die Mohammed die Gefolgschaft verweigerten, sowie der Legitimation von Unterwerfung und Unterdrückung aller "Ungläubigen". Entsprechend erklingt der Ruf: "Allah ist größer" bei allen Attentaten auf Christen. Es sind die letzten Worte, die unsere Glaubensgeschwister in Afrika und Arabien hören, bevor sie geköpft, gesteinigt oder erschossen werden.
Der "Gebetsruf" fordert eben nicht nur zum Gebet, sondern auch zur Tat. Und das meint im historischen Ursprung und in Verbindung mit dem im Islam normativen Leben des "Propheten" und dem Koran die Unterwerfung der Welt unter die Herrschaft Allahs.
Damit steht er im schärfsten Gegensatz zu dem Dreieinigen Gott, auf den das Lamm Gottes in Nr. 10 und das Benedictus in Nr. 12 verweist. Mohammed fordert im Namen seines Gottes die Tötung seiner Feinde. Jesus Christus läßt sich im Namen seines Gottes von seinen Feinden und für seine Feinde töten. Kann das derselbe Gott sein? Historisch ist unzweifelhaft, daß der Gott des Koran bewußt im Gegensatz zum dreieinigen Gott, also bewußt antichristlich konzipiert worden ist. So kann die - positive! - Zitierung des islamischen Glaubensbekenntnisses, und im Munde eines Imams, kann sie ja nur positiv gemeint sein, nur als Gotteslästerung und Absage an Jesus Christus als Sohn Gottes, Retter und Herrn verstanden werden. Wie sich das mit dem Christusbekenntnis im Gloria verträgt, bleibt ein Geheimnis - es sei denn, man dürfte die letzten Zeilen beider Werke, die Christus als als Sohn Gottes bzw. als Garanten des Friedens bekennen, als Entscheidung im Konflikt der gegensätzlichen Gottesbilder der beiden Religionen verstehen.
Allerdings - wenn ein offizieller Vertreter der Religion Mohammeds den absoluten Herrschaftsanspruch seines Propheten vorträgt, dann wird dieser Anspruch nicht nur dargestellt, wie wir in der oben stehenden Deutung angenommen haben, sondern er wird erhoben. Die im islamischen Gebetsruf implizierte Verwerfung des christlichen Glaubens wird nicht nur dargestellt. Sie wird vollzogen. Wenn dies in einer christlichen Kirche geschieht, wird der unaufhebbare Antagonismus zwischen dem Anspruch Mohammeds und dem Glauben an Jesus Christus verschleiert und eine Gemeinsamkeit vorgespiegelt, die faktisch nicht existiert.
Die Sehnsucht nach Frieden verbindet uns Christen sicherlich mit den meisten Muslimen. Aber wir können diesen Frieden nicht gemeinsam finden, solange wir uns nicht auf die Freiheit zum Wechsel der Religion, die Trennung von Religion und Staat und die politische Gleichberechtigung aller Bürger unabhängig von ihrer Religion und auch auf die Gleichwertigkeit der Geschlechter geeinigt haben. Wir können nicht gemeinsam den Frieden suchen, solange die Feindschaft gegen Christus und die Todesdrohung gegen seine Nachfolger zwischen uns steht. Denn "Er ist unser Friede"! (Epheser 2,14).

Johannes Frey
Vorsitzender der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium"


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